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Die Helden


Jaffer

Irak



Name: Jaffer
Alter: 12 Jahre
Wohnort: Karbala
Schulweg: 6.5 km
Hobbies: Fußball
Besonderheiten Mutig


Inhaltsangabe
Jaffer ist ein kluger Junge. Er denkt sehr viel weiter, als seinem Alter entspricht. Er hat einen harten, aber gleichzeitig spannenden Schulweg, der ihn durch verschiedene Landschaften, eine Wüste, eine Oase mit grünen Orchideen, und historische Orte führt.

Directors Note
Terrorismus und die schlechte Sicherheitssituation im Irak machen die Dreharbeiten fast unmöglich! Ich machte mir große Sorgen um Jaffer und seine Freunde, besonders als direkt neben uns Autos in die Luft gingen. Letztendlich hatten wir Glück und alles ging noch einmal friedlich aus. Es war ein unvergessliches Erlebnis!

Regie: Ali Kareem





Sanjana

Indien



Name: Sanjana
Alter: 12 Jahre
Wohnort: Indien
Schulweg: 30 Minuten, zu Fuß
Hobbies: Tanzen wie die Stars aus Bollywood

Besonderheiten
Sanjana ist ein sehr gesprächiges Mädchen. Sie kennt jede einzelne Person aus ihrer Nachbarschaft - und immer den neuesten Klatsch. Sie kümmert sich um den Haushalt wie eine kleine Erwachsene und manchmal erklärt sie sogar ihrer analphabetischen und verträumten Mutter die Welt. Aus heiterem Himmel beginnt Sanjana manchmal zu tanzen oder zu singen und gibt dem Zuschauer dabei das Gefühl, sie lebe am schönsten Ort der Erde.


Inhaltsangabe
Im Alter von 12 Jahren ist Sanjana über Prostitution, Sex und Vergewaltigung bestens aufgeklärt. Als eines von sieben Kindern einer Mutter, die schon im Alter von 9 Jahren zu Prostitution gezwungen wurde, wächst sie im Rotlichtviertel in einer der ärmsten Gegenden Indiens auf. Auf eigene Verantwortung und aus eigener Überzeugung durchquert Sanjana das Rotlichtviertel auf ihrem Weg zur Schule. Sie träumt davon, einmal ein gebildeter und reicher Bollywood Star zu werden, um dann ihr Heimatdorf in einen schönen Ort verwandeln zu können.

Directors Note
Die Innenaufnahmen der Dreharbeiten hatten reibungslos begonnen und ich machte mich gerade für die Außenaufnahmen fertig, als Sanjana auf mich zukam und mich anwies: „Wir müssen dort sehr schnell fertig sein!“. „Wozu die Eile“ – dachte ich, aber direkt nachdem ich begonnen hatte, Sanjana auf der staubigen Straße zu filmen, traf der erste Stein meinen Kopf. Innerhalb kürzester Zeit prasselte eine ganze Lawine auf uns nieder - der Protest der Zuhälter. Das hätte das Ende unserer Dreharbeiten bedeutet, wäre nicht aus dem Nichts eine ganze Ansammlung von Frauen erschienen, die die Zuhälter beschimpften und einschüchterten. Also setzten wir die Aufnahmen fort: Sanjana lief voraus, ich folgte ihr mit der Kamera und hinter uns lief ein ganzer Schwarm von Frauen, die uns folgten um uns zu beschützen.

Regie: Lina Luzyte





Finya

Deutschland



Name: Finya
Alter: 12
Land: Deutschland
Wohnort: Köln
Schulweg: 3 1/2 Km mit dem Skateboard
Hobbies: Skateboardfahren, Parkour, Malen und Zeichnen, Lesen

Besonderheiten
Wenn Finya sieht, dass jemand traurig ist, will sie immer sofort helfen.


Inhaltsangabe
Finya fährt auf ihrem Skateboard am liebsten schnell, so dass sie den Wind in ihren Haaren spürt. Ihr Weg zur Schule führt sie durch ein Industriegebiet, wo große LKWs fahren. Sie liebt Abenteuer. Und endlich geht sie wieder gerne zur Schule. Das war nicht immer so, weshalb sie eine Zeit lang gar nicht in eine Schule ging. Aber nun hat sie eine gefunden, die richtig gut zu ihr passt.

Directors Note
Viele Kinder, die in Deutschland in einer Großstadt leben, werden von ihren Eltern zur Schule gebracht, kommen mit Bus und Bahn oder gehen zu Fuß. Finya aber liebt das Abenteuer und fährt lieber mit ihrem Skateboard. Da sie durch ein Industriegebiet fährt, muss sie auf die LKWs aufpassen, die neben ihr riesig wirken. Wenn ein Güterzug kommt, und Finya an der Schranke stehen bleiben muss, zählt sie immer die Waggons. Das Besondere an Finya war für mich aber nicht nur das Skateboard und ihr Weg, sondern ihre Geschichte. Der Mut, den sie aufbringen musste, um wieder in eine Schule zu gehen, begleitet sie auch auf ihrem selbstgewählten Schulweg mit dem Skateboard. Finya will selbstbestimmen, wo es lang geht. In der Schule und auch auf ihrem Weg dorthin.

Regie: Insa Onken





Luniko

Südafrika



Name: Luniko
Alter: 12
Land: Südafrika
Wohnort: Khayelitsha
Schulweg: Eine Stunde zu Fuß und mit dem Bus
Hobbies: Fußball


Besonderheiten:
Für die Dreharbeiten hatte ich mir ausgesucht, dass er die farbige Trainingsjacke, Teil der Schuluniform, anzieht. Ich hatte sie in seiner Schule an Schülern gesehen. Aber Lunikos Jacke war kaputt, er hatte jedenfalls keine. Also hat er sich eine geliehen. Am Nachmittag, im Geschäft für Schuluniformen, haben wir ihm eine neue gekauft. Am nächsten Drehtag musste er natürlich die alte noch mal anziehen, sonst hätten die Bilder ja nicht zusammen gepasst. Schließlich hat Luniko das eingesehen.

Inhaltsangabe
Luniko lebt in dem zweitgrößten und einem der gefährlichsten Townships Südafrikas, in Khayelitsha. Dort leben über 1 Mio Menschen. Luniko ist HIV-positiv und hat schon viel Schlimmes erlebt in seinem jungen Leben. Sein Vater ist an AIDS gestorben.

Er geht lange zu Fuß und mit verrosteten Kleinbussen, die im Township als „Taxi“ bezeichnet werden, zur Schule. Sein Schulweg ist gefährlich und er hat stets Angst vor Überfällen. Kurz vor den Dreharbeiten, so erzählte mir der Schulleiter, kam Luniko einmal schluchzend zur Schule. Er weinte eine Stunde lang und ließ sich nicht mehr beruhigen. Eine Bande von Jugendlichen hatte ihm zugesetzt. Wie, wollte oder konnte er nicht erzählen. Gleichzeitig ist ein Township, trotz aller Armut und Kriminalität, ein farbiger, kulturell sehr interessanter Ort. Ich war gerne dort.

Luniko hat das Glück, dass er jeden Tag in dem Center von „Ubuntu Africa“ betreut wird, auch medizinisch. Dort erhalten die Kinder eine warme, gesunde Mahlzeit, medizinische, psychologische und auch schulische Betreuung und vor allem viel Zuwendung

www.genubuntu.org

Directors Note
Vor dem Dreh habe ich Lunikos Schule besucht, um mit dem Schulleiter zu sprechen. Das Mietauto parkte ich vor dem Zaun der Schule. Während des Gesprächs kommt ein Mitarbeiter rein und zeigt auf einen Monitor. Ich erkannte mein Auto darauf und dass davor kopfüber ein anderes Auto stand. Es war in meines hinein gefahren. Der Fahrer war ein alter, herzkranker Mann, der dann geborgen werden musste und ich musste zur Township-Polizei... In einem Township zu drehen, ist also ein ganz besonderes Ereignis, weil doch immer ein bisschen Angst mitschwingt. „If there“s a white face, they see money“ hat mir mal ein Mitarbeiter von Ubuntu Africa gesagt, und eine Kameraausrüstung verstärkt diesen Eindruck noch. Aber ich hatte Beschützer aus dem Township und ein tolles südafrikanisches Team dabei, die auch mitgeschoben haben, als das Schultaxi von Luniko nicht mehr anspringen wollte.

Regie: Sigrid Klausmann





Anish

Nepal



Name: Anish
Alter: 11
Land: Nepal
Wohnort: Kharidhunga, Dhading
Schulweg: 1 Stunde
Hobbies: Ein Schuh-Spiel (mit Chukka) und auf Bäume klettern

Besonderheiten
Anish ist ein unglaublich aufgeweckter Junge, der in den Bergen des Ganesh Himal (Nepal, Zentral-Himalaya) zu Hause ist. Er glaubt, dass hinter diesen Bergen die Welt zu Ende ist. Ein Zuhause und Elektrizität sind für Anish die wichtigsten Dinge im Leben. Würde er zum König ernannt werden, so würde er Wasserhähne installieren. Anish glaubt, dass die Erde ein wundervoller Ort ist, wo Menschen sich gegenseitig lieben und helfen. Die einzig schlechte Sache in der Welt seien Geister.


Inhaltsangabe
Sobald Anish die Büffel und Ziegen gefüttert hat, macht er sich auf den Weg, den steilen Gebirgspfad hinab zur Schule. Auf dem Weg durch die Wälder hat Anish überhaupt keine Angst. Anish weiß: sollte er auf einen Bären treffen, müsste er flink den Berg hinab sprinten, im Falle eines Tigers einen Baum hinauf klettern. "Das Wichtigste ist, die Richtungen nicht durcheinander zu bringen, das ist alles" sagt Anish. Glücklich, dass er diesmal keine derartigen Raubtiere getroffen hat, springt Anish in eine Metallkäfig-artige Seilbahn und rauscht mit ihr auf die andere Seite des Flusses, wo seine Freunde schon auf ihn warten. Mit den anderen Jungs rennt Anish zur Schule um mehr über die Wunder dieser Erde zu lernen.

Directors Note
Als Anish mich das erste Mal erblickte, fing er plötzlich an zu weinen, denn er dachte, ich sei ein Geist. Es benötigte mehrere Tage und eine Menge Überzeugungskunst der Einheimischen, um ihn davon zu überzeugen, dass ich nur "eine weiße Frau von der anderen Welt" sei. Als ich ihm die Kamera erklären wollte, brach Anish wieder in Tränen aus und verschwand für den restlichen Tag. Als wir endlich zu drehen begannen und ich ihn fragte, "was würdest Du verändern, wenn Du der Präsident von Nepal wärst" begann er erneut zu Weinen. Denn er verstand weder das Wort "Präsident", noch das Wort "Nepal". Nichtsdestotrotz entwickelte sich unser holpriger Einstieg in eine wirkliche interplanetarische Freundschaft. Er brachte mir bei, wie ich mich verhalten muss, sollte ich einem Tiger begegnegn - ich erklärte ihm hingegen, was Ampeln, Autos oder Flugzeuge sind.

Regie: Lina Luzyte





Annalena

Deutschland



Name: Annalena
Alter: 9
Land: Deutschland
Wohnort: Neukirch im Schwarzwald
Schulweg: 3 km durch den Wald und mit dem kleinen Schulbus.
Hobbies: Freundinnen treffen

Besonderheiten
vermisst Freunde, die um die Ecke wohnen / will ohne Nachhilfe auskommen, um ihr Taschengeld zu schonen, spart für den Führerschein


Inhaltsangabe
Annalena ist ein fröhliches Kind, das mit zwei jüngeren Geschwistern, Eltern und Großeltern und mit Tieren hoch oben auf dem Berg wohnt, auf einem Bauernhof mit atemberaubender Aussicht. Der Schulweg, den sie oft alleine geht, führt lange durch den Wald, ehe sie in den kleinen Schulbus einsteigt, der sie dann zur Grundschule in Neukirch bringt. Sie ist ca. 1 Stunde unterwegs. Die Grundschule ist von der Schließung bedroht, weil es immer weniger Kinder gibt. Annalena möchte mal Krankenschwester werden.

Directors Note
Mit Annalena habe ich den ersten Kleine Helden Dreh überhaupt gemacht, mit Pascal Schmid als Kameramann, also war auch für mich alles noch neu. Wir haben sogar den Rückweg gedreht, als Versuch, der ja in der Regel ganz andere Geschichten erzählt als der Weg zur Schule, bei dem es meistens schnell gehen muss. Z.B. gab es Zeit zum Kaulquappen fangen am Teich, für eine Bachüberquerung und Picknick im Wald etc.

Regie: Sigrid Klausmann





Enjo

Schweiz



Name: Enjo
Alter: 11
Land: Schweiz
Wohnort: Quinten am Walensee
Hobbies: Lesen
Schulweg: 6 Km durch den Wald, mit dem Schiff über den See, durch das Dorf, mit zwei Schulbussen über Unterterzen nach Quarten in die Schule.

Besonderheiten
Enjo ist ein kleiner Philosoph


Inhaltsangabe
Enjo lebt mit seinen Eltern und zwei Katzen in einem Hexenhäuschen in Quinten, direkt am See. Hinter dem Häuschen erheben sich die „Churfirsten“. Mit diesen Bergen hat er eine ganz besondere Verbindung und seine eigenen, philosophischen Gedanken dazu: „Ich empfinde Angst, Respekt und Zuneigung.“ Nach der Schule gefragt, sagte er spontan: „Ich mache keine Luftsprünge, wenn ich in die Schule muss“. Aber Enjo forscht gerne. Beim Thema „Atome“ und AKW“s ist er Spezialist. Was er an sich selber mag, ist seine Neugier, die er mit Google vergleicht. Die Zerstörung der Natur macht ihm große Sorgen. Er kann sich vorstellen, dass es irgendwann eine Natur-Apokalypse gibt. "Was mir vor allem Angst macht, ist, dass Leute das nicht begreifen, und das nach Fukushima“ (Enjos Kommentar zu einem Aufkleber "Pro AKW")

Directors Note
Schon bei meinem ersten Telefonat mit Enjo war klar, dass er kein typischer 11-jähriger ist, sondern ein Denker und ein Redner, einer, der Bücherberge verschlingt und sich mit philosophischen und wissenschaftlichen Themen beschäftigt. Er hat auch viel Zeit dazu, denn nach Quinten, einem kleinen Weiler, der gern als kleinstes Dorf der Schweiz bezeichnet wird, kommt kein Freund spontan. Man kommt nur mit dem Schiff hin. Bei allen Schulen, die ich bisher gesehen habe, ist Enjos Grundschule die schönste, in einer Lage, in der andere Ferien machen: auf dem Berg, mit einem atemberaubenden Blick auf den Walensee. Vielleicht hat das seinen Blick so geschärft, das Leben in dieser wunderschönen Umgebung. Enjos größte Motivation beim Drehen war die Aussicht, dass er nach Drehschluss noch mit der Kamera schwenken darf. Danach wollte er Kameramann werden.

Regie: Sigrid Klausmann





Perla

Island



Name: Perla
Alter: 12 Jahre
Land: Island
Hobbies:Singen
Schulweg: 10 min. zu Fuß zusammen mit ihrer Schwester Urdur

Besonderheiten
Die Kinder waren sehr stark, hatten Durchhaltevermögen.


Inhaltsangabe
Das Wetter wechselte ständig, es stürmte, regnete, dann riß der Himmel wieder auf und die Sonne schien. Der Sturm war teilweise so stark, daß die Kamera auf dem Stativ wackelte. Als es dazu noch regnete konnten wir nur in eine Richtung drehen, weil der Regen sonst aufs Objektiv gefallen wär. Ich habe es sehr zu schätzen gelernt, mit einem einheimischen Kameramann zu arbeiten. Jón Karl Helgason ist ein wunderbarer Kameramann.

Directors Note
Ich finde es aufregend, Menschen mit der Kamera zu begegnen, weil man Zeit intensiver teilt. Durch das Filmemachen kommt man sich näher. Perla und ihre Schwester Urdur sind wunderbare Mädchen und sie hatten mich fast schon adoptiert. Sie konnten besser Englisch sprechen als ich, weil sie ein englischsprachiges Aupair-Mädchen hatten und sie haben Witze über mich gemacht, über die ich immer noch lachen kann. Ich bewundere Perla dafür, dass sie so viel Durchhaltevermögen bei dem Interview hatte und wir alle wussten: dieses Mädchen wird ihren Weg gehen.

Regie: Sigrid Klausmann





To

Laos



Name: To
Alter: 12
Land: Laos
Wohnort: Ban Muang Keo, Provinz Luang Prabang
Hobbies: Auf Vögel schießen
Schulweg: zwei Stunden, zu Fuß, mit dem Boot, mit dem Tuktuk

Besonderheiten
will etwas gegen die Drogengeschäfte unternehmen


Inhaltsangabe
To ist ein kleiner Spitzbub, der eher schüchtern wirkt, er ist klug und hat einen kritischen Blick auf seine Gesellschaft. Er will mal Polizist werden, auch, um gegen das Drogengechäft vorzugehen. Um zur Schule zu kommen braucht To zwei Transportmittel und seine eigenen Beine, fährt durch brandgerodetes Gebiet (ein Thema, das ganz Südostasien betrifft) und muss zwei Mal über den Mekong. Dazwischen ist eine 16 km lange staubige „Landstraße“, die er in einem offenen Tuktuk-Bus zurück legen muss. Tos Themen sind die Brandrodung, die auch sein Dorf bedroht, die Drogenproblematik und auch die Tatsache, dass seine Schule so weit weg von zu Hause ist und die Eltern viel Geld ausgeben müssen für die wöchtentliche Reise. Schule: Secondary School - ist in Chom Phet, auf der anderen Mekong-Seite, von Luang Prabang aus gesehen, Grundschulen gibt es mittlerweile fast in jedem Dorf in Laos. Sobald die Kinder auf weiterführende Schulen müssen, haben sie jedoch oft sehr lange Schulwege, länger noch als To.

Directors Note
Ab 11 Uhr herrschten Temperaturen über 30 Grad. Es waren viele Stempel nötig für die Drehgenehmigung, 1000 Dollar für zwei Drehtage und wir mussten eine latotische Beamtin nach Luang Prabang holen, ihre Reise und Übernachtungen bezahlen und als Begleitung beim Dreh akzeptieren. Das war viel auf einmal. Sie wirkte, als sei sie froh, ihrer Beamtenstube entronnen zu sein und machte keine Probleme. Ich hatte ein ganz wunderbares Team aus Vietnam mit einem Kameramann, mit dem ich gerne mal wieder drehen würde.

Regie: Sigrid Klausmann





Luka

Slowenien



Name: Luka
Alter: 9 Jahre
Land: Slowenien
Wohnort: Belo
Schulweg: 50-60 min. zu Fuß
Transportmittel: zu Fuß - im Winter mit dem Auto
Hobbies: Pfadfinder, Pflanzen und Tiere

Besonderheiten
Dominant, starker Wille, intelligent, ein guter Freund, legt sich gerne einmal mit jemandem an, sehr gesprächig


Inhaltsangabe
Luka ist das älteste Kind in der Familie, welche auf dem wunderschönen Berg Katharina mit unglaublichem Blick auf die Hauptstadt Ljubljana wohnt. Seine Schule befindet sich auf einem anderen Berg, welcher in 50 Minuten zu Fuß zu erreichen ist. Er ist ein geborener Umweltschützer und hilft zu Hause bei all den Dingen die um das Haus herum so anfallen. Luka ist ein Anführer-Typ und akzeptiert kein Nein als Antwort, auch wenn das bedeutet, dass er dafür kämpfen muss. Er gerät ständig in Schwierigkeiten. Seine Eltern sind ruhige und friedliebende Menschen. Er hebt sich, mit seinen ständig tollkühn schauenden Augen, seinem sommersprossigen Gesicht und seinen roten Haaren nicht nur äußerlich von seinen Eltern ab, sondern ist in jeglicher Hinsicht ein besonderes Kind. Luka ist wie ein Erwachsener im Körper eines Kindes.

Regie: Petra Seliskar





Vincent

Österreich

Name: Vincent
Alter: 11
Land: Österreich
Wohnort: Feuerkogel, Ebensee
Hobbies: Sport, Computerspiele
Schulweg: 1 Stunde 20 min., auf Skiern, mit dem Auto


Besonderheiten

Als Vincent noch in der Grundschule in Ebensee war, haben die Eltern jeden Tag eine Sondergondel (frühe Uhrzeit) geordert. Das kostete die Eltern im Jahr über 5000€. Nun ist Vincent in Bad Ischl im Gymnasium und müsste eine noch frühere Gondel bekommen. Den Eltern war das auf Dauer einfach zu teuer. Vincent übte die Abfahrt auf Skiern – sie zählt zu den 10 schwierigsten in Österreich – und bei ordentlichen Schneeverhältnissen fährt Vincent, zusammen mit seinem Vater, auf Skiern nach Ebensee und von dort mit dem Auto nach Ischl. Der Vater muss dabei sein, weil er Lawinengefahr erkennen kann.


Inhaltsangabe
Vincent ist auf dem Feuerkogel, einem Berg in Oberösterreich, zu Hause. Dort haben seine Eltern einen Berggasthof. Freunde gibt es da oben keine. Wenn er also Besuch haben möchte, müssen sie mit der Gondel hoch kommen. Oder Vincent vertreibt sich die Zeit mit den Kindern der Gäste. Vincent hat eine ganz besonnene und nachdenkliche Art und macht sich immer wieder Sorgen und das Weltgeschehen. Und wenn er etwas liebt, dann ist es sein Kater „Socke“.

Wenn Vincent und sein Vater los fahren, ist noch dunkel. Die Stirnlampe beleuchtet ihren Weg. Die Abfahrt den Feuerkogel hinunter beginnt „harmlos“, denn die Piste ist im oberen Teil präpariert. Der 2. Teil ist eine 50 Grad Buckelpiste. Danach geht es in die „Gasseln“, das ist ein schmaler, steiler, kurviger Weg durch den Wald. Einmal war Nebel, so stark, dass Vincent und sein Vater fast nicht mehr heraus gefunden haben.

Directors Note
Der Dreh auf dem Feuerkoge. War ein ganz Besonderer. Mit Thorsten Harms und Clemens Krüger hatte ich zwei Artisten an meiner Seite, die auf Skiern bzw. Snowboards die Bilder gemacht haben, durch tiefen Schnee gestapft sind und dem Vincent immer auf der Ferse warn, egal wie halsbrecherisch die Fahrt war. Das habe ich sehr bewundert. Es war auch ein schönes Erlebnis, diese ganz spezielle Vater-Sohn-Geschichte zu drehen. Etwas Vergleichbares gibt es bei den kleinen Helden Portraits bislang nicht.

Regie: Ali Kareem





Valeria

Perú



Name: Valeria
Alter: 12 Jahre
Land: Perú
Wohnort: Arequipa
Schulweg: 1 Stunde, bei Stau oft 1 ½ Stunden
Transportmittel: zu Fuß und mit dem Schulbus
Hobbies: mit Freunden zusammen sein, aktive Naturschützerin

Besonderheiten
Valeria geht auf eine deutsche Max Uhle-Schule in Arequipa. Angesichts des staatlichen Schulsystems weiß sie ganz genau, dass sie zu den privilegierten Kindern in Arequipa gehört.


Inhaltsangabe Valeria ist 12, aber sie wirkt schon älter und reifer als die meisten Gleichaltrigen. Sie ist sehr reflektiert in ihrem Denken, auch kritisch und Freundschaft bedeutet ihr alles. Überhaupt braucht sie zuverlässige Bindungen in ihrem Leben, um glücklich zu sein. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass ihre Eltern seit kurzem geschieden sind, was sie sehr belastet hat und weshalb sie fast das Schuljahr nicht geschafft hat.

Valeria wohnt außerhalb der Stadt, mitten in der Natur, wie sie sagt, am Rande von Terrassenfeldern. Diese Terrassenfelder prägen die Landschaft. Sie sind die Hinterlassenschaft von Vorfahren, werden aber mehr und mehr, auch illegal, zugebaut. Vielleicht ist Valeria deshalb eine leidenschaftliche Naturschützerin. Was sie z.B. über den Fluss Chili erzählt, ist sehr berührend. Ihr Schulweg führt über diese Terrassenfelder, immer begleitet von ihrer Mutter, zur Bushaltestellte. Dort steigt sie in den Schulbus ein. Ihr Schulbus fährt teilweise über die Pan Americana, eine Straße, die von Feuerland bis Alaska führt.

Directors Note
Der Film über Valeria wurde vom Auswärtigen Amt gefördert, mit der Auflage, mit einem Kind zu drehen, dessen Schulweg zu einer deutschen Schule führt. Darüber war ich erst mal unglücklich, denn ich hatte etwas ganz anderes im Sinn. Ich wollte in den Anden drehen. Dann nahm ich Kontakt zur Max Uhle Schule auf und da kam Valeria ins Gespräch. Heute bin ich sehr froh, ihr Portrait zu haben, denn es zeigt, dass auch verhältnismäßig reiche Kinder durchaus traurige Biographien haben können und zum anderen, dass wir auch von ihnen etwas lernen können und erleben, wie sie sich für eine bessere Welt einsetzen und engagieren.

Regie: Sigrid Klausmann





Sai

USA

Name: Sai
Alter: 12
Land: USA
Wohnort: Flushing Queens, NYC
Hobbies: Eiskunstlauf, Lesen, Schreiben, Schwimmen
Schulweg: etwa 1 Stunde, zu Fuß, mit drei Zügen

Besonderheiten
Sai ist im Alter von 5 Jahren mit ihrer Familie aus Indien nach USA ausgewandert. Die Eltern haben diesen Schritt gemacht, im ihr eine gute Zukunft zu ermöglichen.


Inhaltsangabe
Sai sagt von sich selber, dass sie eine Leidenschaft für Wissen habe. Nach schwierigen Grundschuljahren, in denen sie aufgrund ihrer Herkunft immer wieder gemobbt wurde, hat sie sich für eine Hochbegabtenschule beworben, die keine Schulgebühren kostet. Davon gibt es nicht viele. Jedes Jahr bewerben sich dafür bis zu 3000 Kinder und müssen höchst anspruchsvolle Tests bestehen, um angenommen zu werden. Sai hat es geschafft mit ihrer Zielstrebigkeit, aber auch mit ihrer Lust am Lernen.

Bis zu U-Bahn ist Sai 15 Minuten zu Fuß unterwegs, durch einen Stadtteil, der auch in China sein könnte. Überall sind chinesische Schriftzüge zu lesen, chinesische Händler bieten ihre Waren an. Dann braucht es drei Züge, ehe sie in Manhattan ist. Wenn man weiß, dass es in NY üblich ist, die Kinder über mehrere Jahre zur Schule zu begleiten, ist es umso bemerkenswerter, dass Sai diese für ein Mädchen nicht ungefährliche Reise ganz allein unternimmt.

Directors Note
Sai hat mich verblüfft. Für eine 12-Jährige hat sie ein enormes Wissen und eine eigene Haltung zu vielen, ganz unterschiedlichen Themen. Als ich dann erfuhr, dass sie Debating- und Buchstabierwettbewerbe macht, hat mich nichts mehr gewundert. Dann spielt sie noch Klarinette, macht klassischen indischen Tanz, sie liest, schreibt und schwimmt gerne, kurzum: Sai ist einfach rundherum talentiert. Insofern hat mich auch sehr interessiert: wer ist denn der Mensch hinter der strebsamen Schülerin? Sai möchte mal Neuro-Chirurgin werden.

Regie: Sigrid Klausmann





Ekhlas

Jordanien



Name: Ekhlas
Alter: 12 Jahre
Land: Jordanien
Wohnort: Provinz Ira
Hobbies: Freundinnen treffen
Schulweg: eine Stunde zu Fuß und auf dem Esel, über die Berge

Besonderheiten
Ekhlas ist ein Beduinenmädchen, das in einer wüstenähnlichen Gegend mit ihrer großen Familie in Zelten lebt.


Inhaltsangabe
Ekhlas zählt zur jüngeren Hälfte von 13 Geschwistern. Sie ist ein starkes und auch bezauberndes Mädchen. Ihren Schulweg macht sie meistens mit den beiden jüngeren Geschwistern, so dass sie als Älteste in diesem Gespann die Verantwortung hat. Die Beziehung der Kinder untereinander ist herzlich, man spürt einen starken Zusammenhalt. Ihr Leben ist hart und entbehrungsreich, und je nach Jahreszeit und Wetterlage, zieht die Familie innerhalb der Region mehrmals im Jahr um. Der Schulweg quer über die Berge dauert etwa eine Stunde, bei schlechtem Wetter auch länger. Einige Abschnitte sind gefährlich mit schmalen, steinigen Pfaden, vor steilem Abgrund. Manchmal nehmen sie einen Umweg, z.B. wenn eine Schlange auftaucht. Das Zuhause besteht aus einem in der Mitte geteilten Zelt, alle Habseligkeiten lagern in Kartons. Daneben steht ein kleines Küchenzelt. Eine Toilette gibt es nicht. Fragt man danach, wird man einfach hinter das Zelt geführt.

Directors Note
Vor den Dreharbeiten bin ich mit Ekhlas und ihren Geschwistern einmal den ganzen Schulweg von der Schule nach Hause gegangen. Es war mittags um 13 Uhr. Es ging über Stock und Stein, die Temperatur lag bei 35 Grad, Schatten gab es fast nirgends. Ich dachte, wir kommen überhaupt nicht mehr an! Schon da hatte ich größten Respekt vor dem, was sie und ihre Geschwister täglich leisten. Es hat auch gedauert, Vertrauen aufzubauen, aber beim Abschied haben wir geweint. Die Beduinenkinder zählen nicht zu den besten Schülern, wie mir die Schulleiterin direkt erzählte: „Die sind schon kaputt, wenn sie morgens ankommen.“ Aber gleichzeitig wissen sie ganz genau, dass ohne Bildung ihre Zukunftswünsche nicht in Erfüllung gehen können und machen sich Tag für Tag auf den Weg. Ich erinnere mich besonders gerne an die Begegnung mit der Mutter. Wir saßen zusammen auf den selbst genähten Polstern im Wohnzelt, tranken Ziegenjoghurt und sie rauchte eine Selbstgedrehte. Der Tabak wuchs unmittelbar vor dem Zelt. Ich saß da und dachte: “Zwei Mütter, jede trägt einen Ehering und beide haben den selben Wunsch: dass ihre Kinder eine gute Zukunft haben.“

Regie: Sigrid Klausmann





Zacheo

Namibia



Name: Zacheo Jansen van Vuuren
Alter: 8 Jahre
Land: Namibia
Wohnort: N / a an Kuse Sanctuary & Wildlife Farm
Schulweg: 65 km. Zacheo legt den ersten Teil der Strecke durch den Busch zu Fuß (barfuß!) zurück und wird dann auf der Ladefläche eines Pick-Ups in die Stadt mitgenommen.
Hobbies: Tiere

Besonderheiten
Zacheo ist mit den San, den Ureinwohnern Namibias, aufgewachsen und ist einer der wenigen Weißen, der die San-Sprache fließend spricht.


Inhaltsangabe
Zacheo lebt mit seiner Familie auf der Wildlife Farm N / a an Kuse östlich der namibischen Hauptstadt Windhoek. Die Farm ist eine Art Arche Noah für verwaiste oder verletzte Tiere. Löwen, Leoparden, Giraffen, Antilopen, Affen werden im Tierhospital versorgt, gepflegt und wieder in die Freiheit entlassen. Zacheos Schulweg führt jeden Morgen durch die Wildnis und die weite Afrikas in eine völlig andere Welt – in die laute und lebendige Hauptstadt Namibias.

Directors Note
Es ist beeindruckend, das Engagement der Familie van Vuuren nicht nur für den Tierschutz, sondern auch für die San zu verfolgen. Die Ureinwohner Namibias stehen auf der sozialen Leiter ganz unten und werden von vielen Volksgruppen im Land geächtet. Seit Generationen leben die van Vuurens mit San Familien eng zusammen, die Kinder wachsen mit San auf, lernen die Sprache, Riten und Kultur. Gelebte Rassenverständigung ganz einfach und im Alltag – ohne Firlefanz und großes TamTam. Es ist beeindruckend, das Engagement der Familie van Vuuren nicht nur für den Tierschutz, sondern auch für die San zu verfolgen.

Regie: Reinhold Geneikis





Yamabuki

Japan



Name: Yamabuki
Alter: 11 Jahre
Land: Japan
Wohnort: Tokyo
Schulweg: 3 km durch die Stadt
Hobbies: Tiere

Besonderheiten
Yamabuki ist KEIN Mädchen, wie viele denken. Es ist auch tatsächlich untypisch für japanische Jungs in seinem Alter, längere Haare zu haben. Yamabukis Schulweg hat viele Facetten: kleine Gassen mit Bars, wo abends das Leben brummt, Straßen mit viel Verkehr, überfüllte Kreuzungen mit Menschen in schwarz-weiß, der japanischen Business-Kleidung. Die Kinder in Tokyo wirken sehr selbständig und werden auch nicht von ihren Eltern zur Schule gefahren. Die meisten Eltern sind berufstätig und arbeiten hart.


Inhaltsangabe
Yamabuki, seine Eltern und die beiden kleineren Geschwister haben eine sehr privilegierte Wohnsituation, im Vergleich zu vielen anderen Familien, die äußerst beengt leben. Das betrifft auch die durchschnittlich situierte Familie. Yamabukis Eltern haben ein eigenes Haus, neben einem kleinen Park. „Es ist ein Glück, so zu leben“, meint Yamabuki selbst. Yamabuki ist ein feiner, aufgeweckter Junge mit Sinn für Humor. Er findet Tokyo toll, sagt aber auch, dass man sich total verirren kann zwischen den vielen, gleich aussehenden Wolkenkratzern. So wurde er während der Dreharbeiten von einer Frau angesprochen, die verzweifelt nach ihrem Sohn suchte. Zusammen mit seinem Freund So, „der ist ganz doll warmherzig“, cruist er täglich zur Schule, immer auch einen Blödsinn im Kopf. Ich habe keine Eltern gesehen, die ihre Kinder zur Schule gefahren haben. Die Eltern arbeiten, die Kinder sind sehr früh selbständig. Ich war natürlich ganz besonders gespannt drauf, was Yamabuki zum Thema Fukushima sagen würde, das Thema, das viele Kinder auf der Welt sehr beschäftigt und ihnen Angst macht.

Directors Note
Man macht sich nicht unbedingt Freunde in Tokyo, wenn man das Thema Fukushima anspricht. Anfangs versuchte ich noch, über Schulen ein Kind zu finden, das die Katastrophe selber erlebt hat und nun in Tokyo lebt. Aber ich lief gegen eine Wand. Sobald das Thema angesprochen wurde, haben die Schulleiter dicht gemacht. In Japan besuchen ca. 90 % aller Schulkinder eine Art Nachhilfeschule, die am Wochenende stattfindet, mit Klausuren und allem Drum und Dran. Freizeit ist rar. Privatschulen boomen. Mittlerweile gibt es schon Aufnahmetests für den Privat-Kindergarten.

Regie: Sigrid Klausmann





Rebekka

Schweiz



Name: Rebekka
Alter: 12
Land: Schweiz
Wohnort: Wangenried, Kanton Bern
Hobbies: Tiere, Reiten
Schulweg: 1 Stunde zu Fuß und mit drei Zügen, nach Zollikofen

Besonderheiten
Rebekka ist sehbehindert. Sie sieht 20 %, schwarz-weiß und verschwommen. Bei Schnee und Sonne sieht sie gar nichts.


Inhaltsangabe
Als wir mit Rebekka zu filmen begannen, hatte sie gerade ihren „Schulweg-Führerschein“ gemacht. Das heißt, sie durfte ohne Begleitung den komplexen Weg zur Schule machen, aber nie ohne Blindenstock und ohne ihre Brille, die sie vor Licht schützt.
Rebekka wohnt auf dem Land, in einem kleinen Dorf, in einer schönen Schweizer Landschaft. Sie hat Eltern, eine Schwester und sie hat Glück, denn sie wächst in einer liebevollen Umgebung auf. Allerdings ist sie oft ein bisschen einsam, denn ihre Schulkameraden von der Blindenschule sind 40 km entfernt von ihrem Zuhause. Im Dorf konnte sie aufgrund ihrer Sehbehinderung nicht zur Schule gehen.
Zitat Rebekka: „Manchmal denken Menschen, ich brauche Hilfe, obwohl ich keine Hilfe brauche. Ich sage ihnen dann: „Danke, ich brauche keine Hilfe.“ Aber ich sag“s auf eine nette Art.“

Directors Note
Rebekka ist ein fröhliches, starkes Mädchen. Sie hat eine unglaublich positive Ausstrahlung, sie lacht und kichert viel und gern. In Umgebungen, die sie gut kennt, fällt einem überhaupt nicht auf, dass sie fast nichts sieht. Sie beschäftigt sich nicht so viel mit den Dingen, die in der weiten Welt passiert, vielleicht, weil sie so konzentriert im Hier und Jetzt ist und sein muss.

Regie: Sigrid Klausmann





Lucila

Argentinien



Name: Lucila
Alter: 12
Land: Argentinien
Wohnort: Tigre, Buenos Aires
Schulweg: 2 Stunden mit dem Schiff im Tigre Delta


Besonderheiten
Es gibt keinen zuverlässigen Fahrplan für die Schiffe. Lucila und ihre Schwester müssen ein Mal umsteigen und wenn das erste Schiff zu spät ist, kann es passieren, dass das zweite nicht wartet. Dann stehen sie auf der Plattform einer ehemaligen Schiffs-Tankstelle und wissen nicht, ob, wie und wann sie hier von wem und wohin abgeholt werden.


Inhaltsangabe
Lucila lebt mit ihren älteren Geschwistern und ihrer Mutter im Tigre-Delta. Der gewalttätige Vater lebt getrennt von der Familie, irgendwo im Delta. Sie vermisst ihn, trotz allem. Lucila ist eine echte Künstlerin und liebt es aufzutreten. Sie spielt Theater in einem Freizeitzentrum, das auch nur mit dem Schiff erreichbar ist und nur zu sehr eingeschränkten Zeiten. Lucila möchte gerne Schauspiel studieren, was nur klappen wird, wenn jemand sie fördert.

Das Tigre-Delta ist ein faszinierender und schöner Ort, das zunehmend zugebaut wird. Reiche Leute bauen ihre Häuser, roden dafür die Inseln, das Fluss-Delta verschmutzt zusehends. Es herrscht Armut, es fehlt an Arbeit. Lucila ist sehr verbunden mit ihrem Ort und möchte seine Schönheit erhalten.

Zitat Lucila: „Wenn ich die Augen schließe und nur höre, fühle ich mich wohl, hier, wo ich bin. Ich höre die Stimmen des Windes und der Wellen.“

Directors Note
Ich habe eine traurige Bemerkung zu machen, denn kurz nach den Dreharbeiten habe ich erfahren, dass der leibliche Vater von Lucila ihren älteren Bruder krankenhausreif geschlagen hat. Er ist nach Buenos Aires geflüchtet und vorübergehend in der Wohnung einer Bekannten untergekommen. Aber Lucila spielt weiterhin Theater und macht das Beste aus ihrem Leben.

Regie: Sigrid Klausmann





Alphonsine

Ivory Coast



Name: Alphonsine
Age: 11
Country: Ivory Coast
Town/village: Amelekia
Way to school: 40 min
Hobbies: meeting friends, being alone in peace.


About Alphonsine:
Alphonsine is a very sensitive and quite girl. The most important thing in life for her is education, which, she believes, empowers a person to get a job and earn his own money, yet Alphonsine herself is not allowed to school – when her mother died, Alphonsine was taken in by her aunt, for whom she has to cook and clean and help in the cacao plantations.

Way to school:
Alphonsine gets up at 4 am every day. She sweeps the courtyard, makes fire and cooks food. Once done Alphonsine goes to her aunt and picks up a huge box with food, which she carries all the way to school. Usually Alphonsine meets her friends who help her carry the load but only until they all reach the school – then the friends run off to classes, whereas Alphonsine stays to prepare the counter, where she’ll sell the food to the children during the break. Alphonsine is not allowed to attend school – she has to work.

Director’s note:
Alphonsine’s story was the most challenging for me to film as well as to experience. This gentle Ivorian girl is a true Cinderella of modern day yet her story has no good ending. Thinking of ways to help Alphonsine I bumped into many walls: her family see no problem in her not attending school, same as the people in the village. The fact that Alphonsine is slaving in cacao plantations is also acceptable and even welcomed – the not-well-to-do country needs cheap child labor. I hope and wish all the best for Alphonsine and that’s pretty much all I can do.

Regie: Sigrid Klausmann